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ToggleKennst du das? Du fühlst dich verletzt, verlassen, zu Unrecht beschuldigt, zutiefst verunsichert, der Andere ist aus dem Kontakt gegangen und du weißt nicht ob und wann er wiederkommt. Er verhält sich so, als hättest du die Beziehung zerstört, und das alles immer und immer wieder… und anstatt, dass du gehen und den Anderen verlassen kannst, setzen heftige Verlustängste ein. Du bist gezwungen, festzuhalten. Musst ausharren, warten bis der Andere wieder auf dich zukommt. Du erklärst und erklärst dich, einerseits um dir ein bisschen Gehör zu verschaffen, aber nicht soviel, dass der Andere dich für deine Verletztheit auch noch abstraft und dich dann deswegen verlässt.
Das genau passiert oft in einer toxischen Beziehung beim Klärungsversuch und wieder sind sie da: die Verlustängste.
Sie sind oft so existentiell, so bedrohlich, dass sie fast nicht auszuhalten sind. Sie sind ein Gemisch aus Angst, Schmerz, Traurigkeit, einer abgrundtiefen Verlorenheit und einer Einsamkeit, die in dieser Stärke durch fast nichts anderes ausgelöst wird. Das sind, neben einer Reihe von körperlichen Beeinträchtigungen, die Symptome der Verlustangst.
Die Verlustangst ist ein allgegenwärtiges Charakteristikum aller unsicheren Beziehungen
Hier sind zunächst ein paar Merkmale von unsicheren und toxischen Beziehungen:
– fehlende kontinuierlich wachsende Sicherheit
– fehlende Verlässlichkeit
– fehlende Nachvollziehbarkeit
– fehlende Transparenz
– fehlende Konsistenz und Kontinuität
– fehlende Verantwortungsübernahme für die Beziehung und den Partner
Es fehlt an allen Ecken und Enden.
In diesem Beitrag erfährst du, wie die Verlustangst zustande kommt und in den nächsten Artikeln:
Warum er ständig Verlustangst in dir auslöst
Woher Verlustängste in Wirklichkeit kommen
E-Book
Toxische Beziehung:
Kann er sich ändern?
Der Kernkonflikt dieser Beziehung
und was du damit zu tun hast.
Wie du in einer toxischen Beziehung oder Affäre funktionierst
Toxische Beziehungen und Affären bringen und halten uns im Überlebensmodus, das heißt, wir funktionieren darin, wie Kinder, deren Wohl und Weh von den Reaktionen der Eltern abhängt. Das ist das, was ein Überlebenssystem macht: Es versucht uns sicher zu halten, und zwar nach den Maßstäben eines kleinen Jungen oder Mädchens. Denn das Überlebenssystem wächst nicht mit. Es bleibt in seiner ursprünglichen Funktionsweise bestehen.
Die Sicherheit gebenden Strategien, die wir oft noch in uns tragen, sind das, was sich wiederholt.
Wenn man also als kleines Mädchen, weil der Vater oft betrunken war, ein daueralarmiertes Nervensystem hat, man sich im Zweifelsfall unsichtbar machen und bis zur Unkenntlichkeit anpassen kann und auch noch die Schuld elterlicher Verfehlungen auf sich nehmen kann, dann hat das Überlebenssystem dieses Vorgehen als sicher abgespeichert. Es wird infolge automatisch und ohne unsere bewusste Wahrnehmung Situationen generieren, in denen genau diese Copingstrategien Anwendung finden. Diese Copingstrategien sind das, was man als Muster bezeichnet.
Gleich, wie militant und scheinbar unbeweglich diese Muster unser Erwachsenenleben bestimmen, kann man sie dennoch durchbrechen. Regieren diese unbewussten Strategien nämlich nicht mehr in uns, geraten wir auch nicht mehr in die schmerzlichen Situationen hinein. Die Lösung besteht nicht in einem anderen Umgang damit, sondern in der Beseitigung des gesamten Problems. Dafür gibt es eine ganz klare Vorgehensweise, mit der man all diese schmerzhaften Limitierungen aufhebt.
Wie uns das Überlebenssystem im Erwachsenenalter limitiert
Wir funktionieren im Überlebensmodus eingeschränkt und können nicht auf die ganze Bandbreite unserer Intelligenz zurückgreifen.
Der Wahrnehmungsradius ist heruntergefahren und nur auf Überleben programmiert und das erlaubt uns dann nicht mehr, das ganze Bild zu sehen. Der Gesamtkontext fehlt und deswegen können wir auch einen toxischen Partner zunächst lange nicht als solchen erkennen. Genauso wenig erkennt die Geliebte eines verheirateten Mannes, wie aussichtslos ihre Situation mit ihm ist. Wir spüren unsere Grenzen und Bedürfnisse nicht mehr richtig, wir verlieren den Kontakt zu unserem immer wohlwollenden Wertesystem und unserer inneren Stimme. Damit verlieren wir dann jede Orientierung und heften sie nun an das Außen. Bringt uns ein toxischer Partner in diese Bredouille, sind wir gezwungen, kleinen Kindern gleich, alles an genau diesen Menschen zu heften, der sich zur Orientierung schlechter nicht eignen könnte.
Daher die vielen unbeantworteten Fragen, die wir in unglücklichen Affären und toxischen Beziehungen haben.
Was bringt uns in den Überlebensmodus? Es sind die Emotionen. Wenn wir emotionalisiert sind, sind wir immer in dieser eingeschränkten Verfassung, in der wir weder ganz erkennen, wen wir vor uns haben, noch können wir Dinge richtig interpretieren, geschweige denn, das Richtige tun, nämlich im Zweifelsfall gehen. Entweder sind wir akut emotionalisiert, oder wir versuchen unangenehme Emotionen loszuwerden, indem wir bleiben und uns weiter anpassen. Auch die Verlustangst versuchen wir loszuwerden, in dem wir bleiben, an der Beziehung festhalten und alles dafür tun, dass der Andere nicht geht.
Vor allem dann, wenn man eigentlich gehen müsste, setzen unter anderen sehr schmerzhafte Emotionen, die Verlustängste ein.
Das Fundament dieser Beziehungstypen sind die Einschränkungen unseres Überlebenssystems und die Verlustangst.
Wären wir nämlich sehr bei uns selbst, und nicht in diesem Modus und hätten auch diese Verlustängste nicht, dann würde keine dieser Verbindungen länger als eine Woche halten. Wir hätten nach kurzer Zeit bereits die Nase gestrichen voll und würden gehen.
Ohne Verlustangst würden wir nicht bleiben
Gehen können wir aber mit den starken Emotionen nicht. Da sieht man zum Beispiel, wie Emotionen uns dabei im Weg stehen, Dinge korrekt einzuordnen, zu den richtigen Schlüssen zu kommen, die richtigen Schritte zu unternehmen und gut für uns selbst sorgen zu können.
Unter Verlustangst, was eine sehr starke Emotion werden kann, sehen wir also nicht, wen wir vor uns haben, entschuldigen ihn, federn schlechtes Benehmen ab und relativieren alles so, dass wir nicht gehen müssen.
Das nächste, was passiert ist – neben Ausharren und Warten, bis der Andere wieder etwas zugänglicher ist – dass wir uns: Anpassen. Wir lamentieren ein bisschen, versuchen dem Anderen klarzumachen, dass und inwieweit er uns verletzt hat und übersehen dabei auch beim hundertfünfzigsten Mal, dass das keinen Zweck hat. Wenn dich jemand verletzt und das wiederholt, zeigt das ja, dass er keinen Zugang zu dir und seinen Gefühlen hat. Da nutzt auch Reden nichts: Er nimmt dich schlichtweg nicht wahr. Würde er verstehen, was du ihm versuchst, begreiflich zu machen, könnte er sich so gar nicht erst verhalten.
Wäre man sehr bei sich, würde man das sofort sehen, richtig einordnen und wissen, dass das ein Charakteristikum des Anderen ist, was nicht einfach wieder weg geht.
Jetzt sind wir aber in der eingeschränkten Verfassung und kämpfen, gefühlt, um unser Leben.
Wir diskutieren und relativieren zu unseren eigenen Lasten und nehmen dann Dinge auf uns, die wir garnicht verbockt haben. Unter drohender Verlustangst wird gebettelt und gefleht, dann macht man sich leichtgängig für den Anderen, brauchbar, nützlich und versucht zu beweisen, wie wichtig und richtig man für ihn ist. Ungeachtet dessen, was der Andere sich hat zuschulden kommen lassen, ungeachtet all seiner Kälte, Gemeinheit und oft seelischer Grausamkeit. Das spielt alles keine Rolle mehr.
Man will nur zwei Dinge: Dass er bleibt und dass man selbst nicht gezwungen ist, zu gehen.
Denn interessanterweise hat man in einer solchen Konstellation dieselbe Angst davor dass der Andere geht, wie Angst davor, dass man selber gehen muss. In einer gesünderen Beziehung mag man auch nicht gerne gehen, weil man dem Anderen nicht wehtun will. Aber das ist lange nicht so angstbesetzt, wie wenn man ahnt, sich aus einer Affäre oder Toxischen Beziehung selber lösen zu müssen. Das Überlebenssystem auf Hochtour hält das Aufgeben der Verbindung für nicht sicher, deswegen die Stärke und die Existentialität der Angst.
Das ist wie Mama und Papa verlassen.
Was aber in Wirklichkeit unter Verlustangst geschieht, ist dass wir uns, ohne das zu bemerken, im Überlebensmodus gefangen, selbst verlassen.
Diese Verfassung ist auf Überleben ausgerichtet und wenn sie in voller Stärke powert, zunehmend durchgehend in toxischen Beziehungen, dann befinden wir uns in einem Dauerzustand des Selbstverlustes.
Denn unsere gesamte Aufmerksamkeit geht nach außen.
Wie das Gnu auf der Prairie, wenn der Löwe hinterher rennt.
Die gesunde Variante der Anpassung
Es gibt eine gesunde Anpassung. Das ist eine wunderbare Fähigkeit, denn sie erlaubt uns, auf Kurzstrecke, Höchstleistungen zu erbringen, über uns selbst hinauszuwachsen und für andere zu sorgen. Wenn wir ein Baby bekommen, stehen unsere Bedürfnisse und auch unsere Grenzen hintenan. Wenn unser Mann einen Motorradunfall hatte, können wir ihn mal 3 Monate versorgen und uns selbst zurücknehmen, ohne Schaden zu erleiden.
Wenn wir ein Buch schreiben, können wir, wenn es aufs Lektorat zugeht, mal Nächte durchmachen. Auch wenn wir ein Unternehmen aufbauen oder ein Haus, sind wir imstande über uns hinauszuwachsen.
Wir müssen in diesen Situationen unsere Bedürfnisse zurückstellen und über unsere Grenzen gehen. Auf Kurzstrecke ist das kein Problem, daran wächst man. Das ermöglicht ein gesund angelegtes Anpassungsvermögen.
Wenn wir Anpassung aber im Überlebenssystem als generellen Sicherheitsfaktor verbucht haben, weil Anpassung in frühen Jahren nötig war, damit wir uns sicher und geliebt fühlen, dann wird Anpassung zum Dauerzustand. Das zeigt sich dann in Beziehungen, nicht in allen, spätestens aber in der Neigung, häufig toxische Beziehungen und Freundschaften einzugehen. Denn dort wird wieder abgefragt, was im Überlebenssystem als sicher verbucht ist: Permanente Anpassung, und das auch zunächst viele Jahre in unserem Leben, in denen wir das nicht mal bemerken.
Anpassung im Dauerzustand erfordert das Ausschalten unserer Grenzen, unserer Bedürfnisse, unserer inneren Stimme und unseres Wertesystems.
Ausschalten heißt: Ich nehme diese unverhandelbaren Größen gar nicht mehr wahr.
Daueranpassung geht immer komplett zu Lasten der Eigenwahrnehmung.
Und umgekehrt: Für eine Daueranpassung muss meine Eigenwahrnehmung zu großen Teilen ausgeschaltet bleiben.
Sonst würde man alle Orientierung gebenden Faktoren, wie Grenzen und Bedürfnisse wahrnehmen. Damit kann man sich nicht mehr anpassen.
So verlierst du dich in einer toxischen Verbindung selber
In emotionalisiertem Zustand ist die Eigenwahrnehmung fast gar nicht mehr vorhanden.
Dann kommt die Orientierung, wie bereits erwähnt, nahezu vollständig vom Außen und in einer Affäre oder toxischen Beziehung genau von demjenigen, der auch nicht will, dass wir uns selbst all zu sehr spüren. Denn das wäre das Ende der Beziehung.
Dann würde der Andere nämlich erkannt werden, als das was er ist, und wir würden sehr früh deutlich spüren, dass er für eine Beziehung nichts taugt.
Keine Frau würde sich, wenn sie sehr bei sich ist, alle gesunden Grenzen spürt, ihre innere Stimme und ihr Wertesystem wahrnimmt, auf einen verheirateten Mann einlassen und jahrelang warten, dass er sich endlich von seiner Frau und seinen Kindern trennt.
Kaum eine Frau würde einen gebundenen Mann überhaupt nur anschauen.
In dem Selbstverlust jedoch, der also daraus besteht, dass ich meine Halt gebenden Orientierungssysteme nicht mehr wahrnehme, wird jetzt derjenige, der mich in diese Bredouille hineingebracht hat, zu meiner Leitlinie.
Ich versuche mich also jetzt durch ihn zurecht zu finden, so wie wir das einst als Kinder tun mussten, indem wir unsere Orientierung an die Eltern hefteten.
Wenn nun aber unser ehrenwerter Richtungsgeber weder konsistent, noch verläßlich, noch vorhersehbar, noch wahrnehmbar für uns ist, haben wir ein ernstes Problem, denn als Gerüst für jemand anderen taugt er nichts. Er hat uns ja in den Zustand der Verwirrung hineingebracht und ist in seiner gesamten Grundstruktur viel zu unbeständig, um Halt geben zu können. Den kann er nicht mal sich selbst geben.
Wir leben also schon in dem bedenklichen Zustand des Selbstverlustes und nun droht dieser Mensch, an den wir unsere Orientierung hängen auch noch, uns zu verlassen, wenn er nicht bekommt, was er will: Totale Unterordnung und Anpassung an seine ständig wechselnden Anforderungen.
Wir haben also schon großflächig übersehen, dass man sich auf diesen Menschen in keiner Weise verlassen kann, und hoffen – was natürlich auch eine gigantische Täuschung ist – dass er sich ändert, wenn wir uns nur genug anstrengen.
Die realistische Einschätzung fehlt und so sucht man verzweifelt nach der Orientierung in dem Hologramm, das wir uns von dem Anderen erstellt haben.
Das ist übrigens auch ein Überlebensmechanismus, denn in dieser Verfassung, meinen wir, wir seien auf ihn angewiesen und müssen ihn infolge idealisieren, so wie wir es einst mit den Eltern mussten, damit unser Sicherheitsgefühl nicht ganz verloren geht.
So ist einem toxischen Nimmersatt hier hervorragend gedient, denn er ist auf Idealisierung und totale Unterordnung eines Anderen angewiesen. Die bekommt er dann von einem Menschen, der früh gelernt hat, sich genau damit sicher zu halten. Jemand, der ihn nicht richtig erkennen kann und der im Überlebensmodus gezwungen ist, sich selbst zu verlassen und dann alles zu. tun, was man von ihm verlangt unter dauernder, latenter Trennungsgefahr. Die Trennungsgefahr und auch die grenzenlose Erleichterung, wenn scheinbar alles wieder gut ist, ist für die Emotionalisierung nötig. Denn dann sind wir immer in den Limitierungen des Überlebenssystems unterwegs und müssen tun, was uns einst bereits sicher hielt: Uns selbst nicht zu spüren und uns bis zur Unkenntlichkeit anzupassen. Das ist das, was ein toxischer Partner und auch viele Männer in Affären brauchen und abfragen.
In diesen Verbindungen lässt man sich nicht ein, sondern man liefert sich komplett aus.
Je mehr Selbstverlust, desto mehr Suche nach Orientierung im Aussen, desto mehr Panik, wenn auch das noch droht, weg zu brechen.
Wir heften also alles an ein Außen, das zerbrechlicher nicht sein könnte.
So kommt die Verlustangst mit ihrer Einsamkeit, Panik und endloser Traurigkeit dahin. Es sind dieselben Gefühle wie damals.
Deswegen braucht man auch nicht nach diesen Inhalten in der Kindheit herumzusuchen, sondern man kann sie, durch das zuverlässige Wirken des Überlebenssystems, in unregelmäßigen Abständen im Heute wiederfinden. Die Unterbrechung dieser Kreisläufe erfolgt durch die Bewusstwerdung der Wirkmechanismen des Überlebenssytems.
3-teiliges Online Seminar
Tanja-Grundmann-Methode:
Deine Erlösung aus toxischen Beziehungen
Verlustangst ist also ein Selbstverlust und die anschließende Anheftung unserer Orientierung an den unzuverlässigsten Faktor im Universum:
Einen toxischen Partner oder verheirateten Mann.



